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Pfarrkirche St.Martin

Das Altheimer Hungertuch: Der 1977 verstorbene Restaurator Hans-Peter Kneer aus Munderkingen fand im Sommer 1960 anläßlich der Restaurierung der Altheimer Pfarrkirche hinter dem Gemälde des Hochaltars ein Stück alte Leinwand mit spätgotischer Malerei. Die Leinwand war offenbar als Schutz gegen die Feuchtigkeit der Wand hinter der Rückseite des Spieglerschen Altargemäldes befestigt worden. Als man die Bilder der Seitenaltäre herausnahm, ergab sich der gleiche Befund. So erhielt man drei Stücke einer einst gewaltsam zerteilten Leinwand, die sich aneinanderlegen ließen. Trotz des beklagenswerten Zustandes und der starken Verschmutzung ließ sich ein bildlicher Zusammenhang erkennen.
Kunstsachverständige vermuten, dass es sich bei dem Fund nur um ein Drittel eines Hungertuches handelt, also um ein sogenanntes Fragment. Das ganze Tuch würde demzufolge aus sechs Reihen zu je fünf Bildern bestanden haben. Die ursprüngliche Größe des Tuches wird auf 6,20 m x 8,50 m geschätzt. Ein Hungertuch oder Fastenvelum, auch Palmtuch genannt, ist ein Vorhang, welcher während der Fasten-und Passionszeit vor dem Altar angebracht wurde. Der liturgische Zweck dieser Verhüllung des Altars und der heiligen Messhandlung war, dem Bußcharakter der Fastenzeit Ausdruck zu verleihen, die Gläubigen an die Sündhaftigkeit der Menschen zu mahnen und zu bußfertiger Besinnung anzuhalten.
In Deutschland war der Brauch, den Altar während der Fastenzeit den Blicken der Gläubigen zu entziehen, gegen Ende des 15. Jahrhunderts weit verbreitet. Veränderte liturgische Auffassungen brachten dann den Gebrauch der Hungertücher seit dem Ausgang des Mittelalters wieder zum Verschwinden. Der Maler des Altheimer Hungertuches ist nicht bekannt - Kunstexperten suchen ihn im "Ulmer Kreis". Er lebte vermutlich um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert.
Das Hungertuch entstand schätzungsweise kurz nach 1500. Es wird als wichtiges Zeugnis schwäbischer Malerei angesehen. Das Altheimer Hungertuch hing früher während der Fastenzeit vor dem Hochaltar im Chorraum unserer Kirche. In der heutigen, 1744 umgestalteten und barockisierten Pfarrkirche kann man sich das spätgotische Tuch kaum mehr vorstellen, ohne einen empfindlichen Stilbruch zu begehen. Deshalb musste für dieses Kunstwerk auch eigens ein Raum geschaffen werden. Die Pfarrscheuer bot sich für den Ausbau eines Ausstellungsraumes geradezu an.
Besichtigungen sind nach Vereinbarungen möglich.
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